Erstmals Zungenschrittmacher in Hennigsdorf implantiert
29.07.2026
Seit acht Monaten verstärkt Dr. Liette Majerus die HNO-Abteilung der Oberhavel Kliniken. Die Oberärztin war zuvor an der Charité tätig – und brachte von dort eine hochspezialisierte Behandlungsmethode mit: Am Mittwoch vergangener Woche implantierte sie in der Klinik Hennigsdorf erstmals einen Zungenschrittmacher bei einer 75-jährigen Patientin. Damit erweitern die Oberhavel Kliniken ihr schlafmedizinisches Spektrum um ein Verfahren, das bundesweit bislang nur an wenigen spezialisierten Zentren angeboten wird. „Für Patientinnen und Patienten im Landkreis bedeutet das eine wohnortnahe Versorgung, ohne für diesen Eingriff nach Berlin fahren zu müssen“, sagt HNO-Chefarzt Dr. Thien An Duong Dinh. Die Abteilung bietet nun auch eine eigene Zungenschrittmacher-Sprechstunde an.
Ein Zungenschrittmacher kommt unter bestimmten Voraussetzungen bei Menschen mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom zum Einsatz. Bei dieser Erkrankung erschlafft während des Schlafs die Muskulatur von Zunge und Rachen – die oberen Atemwege werden wiederholt blockiert. Die Folge sind Atemaussetzer, Sauerstoffmangel und ständiges unbewusstes Erwachen. Erholsamer Schlaf ist kaum noch möglich. „Das hat weitreichende Folgen für die Gesundheit der Patienten“, erklärt Liette Majerus. „Ihr Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt deutlich. Viele sind tagsüber unglaublich müde.“
In leichteren Fällen kann eine Schiene helfen, die den Unterkiefer vorschiebt. Goldstandard für mittelschwere bis schwere Schlafapnoe wiederum ist die nächtliche Behandlung mit einer Atemmaske. „Allerdings toleriert sie nicht jeder Patient dauerhaft. Dann kommt der Zungenschrittmacher ins Spiel“, sagt Majerus. So sei es auch der 75-jährigen Patientin der Klinik Hennigsdorf ergangen. „Sie hatte über längere Zeit verschiedene Maskensysteme ausprobiert und kam damit nicht zurecht.“
Der Eingriff in Vollnarkose dauert je nach Befund etwa zwei bis drei Stunden. Das Implantat, klein wie eine Streichholzschachtel, wird über wenige Hautschnitte im Bereich der rechten Brust eingesetzt. Zwei Elektroden erfassen die Atmung und stimulieren den Zungennerv während des Einatmens mit schwachen elektrischen Impulsen. Dadurch bewegt sich die Zunge leicht nach vorn; die Atemwege bleiben offen. Atemaussetzer werden verhindert und der Schlaf wird wieder erholsam.
Der erste Eingriff dieser Art in Hennigsdorf verlief reibungslos. „Wir sind sehr zufrieden“, resümiert Majerus. Die Patientin habe am Sonntag schon entlassen werden können. „Nach der Wundheilung aktivieren wir in etwa sechs Wochen den Schrittmacher und passen ihn schrittweise an. Unser Ziel ist, dass die Patientin wieder ruhig schlafen kann – und damit wieder richtig viel Lebensqualität zurückgewinnt.“

Dr. Liette Majerus (l.) mit ihrem OP-Team bei der ersten Implantation eines Zungenschrittmachers in Hennigsdorf. (Fotos: Oberhavel Kliniken/Kerstin Dolderer)

Die Oberärztin ist zufrieden mit dem Eingriff; die Patientin konnte schnell entlassen werden.

















